¨Schulbrücke Weimar

Wie in den vergangenen Jahren gab es auch diesmal eine intensive Beschäftigung mit der eigenen europäischen Geschichte, einen fruchtbaren Austausch mit den Schülern aus Schweden, Italien, der Slowakei, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland, und wir hatten Gelegenheit, die Bauhaus-Universität besuchen zu können.

Bei den zahlreichen Erarbeitungen haben Ana und Mara beispielsweise einen beeindruckenden Zukunftstext verfasst:

"Weisheit und Kindheit"

Tick. Tack. Tick. Tack. Noah hält es nicht mehr aus, das Klingeln der Uhr zu hören. Er weiß, dass die Uhr die Zeit angibt. „Aber was ist die Zeit?", fragt er sich immer. Er versteht einfach nicht, wie man Erlebnisse messen kann und niemand konnte ihm diese Geheimnisse der Welt erklären, wie zum Beispiel was die Zeit ist.

Nur die „weisen Männer" wissen das. Aber die bleiben irgendwo versteckt, von der Gesellschaft getrennt und keiner hatte den blassen Dunst, wo man sie finden konnte. Sie sind die einzigen, die die 2050-er Revolution erlebt haben. Der Mangel an Ressourcen machte es schwer für die Mehrheit der Bevölkerung, sich Essen zu besorgen und nur die Reichsten konnten sich das leisten. Sie wollten weiterhin den ehemaligen Luxus genießen und dachten an den Rest der Menschheit überhaupt nicht. Mit der Zeit starben immer mehr unschuldige Leute wegen des Hungers aus. Das konnte so nicht weitergehen, jemand musste etwas unternehmen - die heutigen „weisen Männer". Sie waren die Leiter dieser damaligen Revolution, die größte revolutionäre Bewegung, die bis jetzt in der ganzen Geschichte der Menschheit stattgefunden hatte.

Diese Legende hat Noah wenigstens von seinen Eltern gehört. Er ist unsicher, ob diese Legende der Wahrheit entspricht. Er möchte unbedingt die Antwort auf diese Frage finden, so packte der 7-jährige Junge die Tasche für das Abenteuer ein: 2 Bonbons, eine Schokoladentafel und ein Apfel würden ihm reichen. Er entschied sich der Sonne zu folgen, weil er nicht wusste, wo sich die „weisen Männer" befinden. So nahm er den nächsten Zug, welcher Richtung Sonne fuhr. Noah kam an einem für ihn unbekannten Wald herein. Es schien, als führe ihn etwas auf den guten Weg, irgend ein Gefühl, das ihm zum Ziel bringen würde. Plötzlich fiel ihm eine kleine Hütte auf. Diese war von riesengrogen Tannen umgeben und es schien unbewohnt zu sein. Komischerweise fürchtete er diese unbekannte Hütte aus dem unbekannten Wald nicht, im Gegenteil spürte er ein unerwartetes Sicherheitsgefühl. Noah näherte sich der Hütte und bemerkte eine Lampe, die im Fenster gestellt war. Es wurde ihm auf einmal klar, dass dort, genau in dieser von der Welt vergessenen Hütte einer der „weisen Männer" seine Wohnung hat. Die Tür öffnete sich und ein alter Mann kam heraus. Da war er, das heißt, die ganze Geschichte ist echt. Noah war unglaublich froh, als er den Mann zum ersten Mal erblickt hatte. Er war genauso wie sich der Junge vorgestellt hatte: langer Bart, weiße Locken - eine hohe Gestalt in altmodischer Kleidung und eine kleine, runde Brille.

,,Noah, da bist du endlich! Komm herein und ich werde dir Alles vom Anfang an erzählen. So wirst du sicher deine Antwort finden."

Fasziniert and gleichzeitig verwirrt betrat er die Hütte.

„Woher weißt du, wer ich bin?", guckte ihn Noah mit blauen, unschuldigen Augen.

„Haha, liebes Kind, ich kenne manche Sachen von denen du nicht mal träumen kannst.", skizzierte der „weise Mann" ein freundliches Lächeln.

„Erzähl mir, erzähl mir bitte Alles!", forderte das Kind den Weisen dringend auf.

„Es war das Jahr 2045, als die Welt langsam, aber sicher zum Anfang des Untergangs kam. Das Hauptproblem war der blendende Egoismus, der über Alles und Alle herrschte. Es gab keine Einheit zwischen den Ländern, keine Hilfsbereitschaft. Altruismus fehlte überall. Jedes Land arbeitete für das eigene Wachstum and war für den Wohlstand anderer Länder nicht interessiert. Die nötige Unterstützung zwischen den Nationen war nirgendwo zu finden. Am schlimmsten war es, als wir mit dem Suchen dieser gegenseitigen Hilfe aufhörten. Die Armut war der Herrscher unserer Welt. Das lag daran, dass die Menschen immer mehr wollten, der Konsumismus befand sich in seiner Blütezeit, folglich waren die Ressourcen nicht ausreichend. Die Menschen wollten sich ein Paradies aufbauen, ohne an die Nachhaltigkeit der weiteren Generationen zu denken oder den Zustand der Erde wahrzunehmen. In der Politik war die Lage genauso schlecht: die Korruption galt als Demokratie. Es war so schwer die Denkweise der Leute zu ändern, well sie in den unbeschränkten Materialismus und dessen Bequemlichkeit vertieft waren. Wenn man mit einer Person darüber zu diskutieren versuchte, hörte sie überhaupt nicht zu, sie verlor gleich das Interesse und wurde von ihrem Handy absorbiert.

Die absolutistische Denkweise, die du glücklicherweise nicht kennst, herrschte seit vielen Jahrhunderten vor der 3. großen Transformation Europas. Auf dem ganzem Globus befanden sich die Länder im Krieg und einer furchterregenden Diktatur.

Die Welt brauchte eine Wendung. Da kamen wir, eine Gruppe von Freunden, die sich schon aus der Schulzeit kannten und bessere Lebensbedingungen für unsere Kinder, zukünftige Generationen und für dich, zum Beispiel, sichern wollten. Da begann die Reformation und es kam zu der Welt, die du jetzt kennst: Eine Welt, in der es keine Großmächte gibt und alle Staaten sich untereinander helfen. Das haben wir durch Unterstützungsgruppen und eine große Hilfsbereitschaft zwischen den Menschen erreicht. Die Ressourcen wurden in einem Zyklus benutzt, durch „Go-Green" Aktionen, das heißt den Mall recyceln, den elektrischen Strom durch Sonnen-, Wind- und Geothermische Energie ersetzen und durch urbane Landwirtschaft unterstützen. Es gaben keine riesige Konzerne mehr, die von den Bauern und einfachen Arbeitern profitierten. Das Essen war nicht kehr in überflussiger Masse produziert and konsumiert. Das führte schließlich zu einem besseren Leben und zu einem wesentlichen Aufstieg in der Ökonomie. Die Bevölkerung wurde zum ersten Mal in der ganzen Geschichte der Menschheit an der Gesetzgebung beteiligt. Die Demokratie hat die absolutistische Denkweise und Korruption niedergeschlagen. Die Bevölkerung wurde dadurch von der Armut und vom blendenden Egoismus befreit. Es war schwer, aber die Menschheit hat sowohl sich selbst, als auch die Erde gerettet und lebt jetzt in Frieden.", beendete erschöpft der alte Mann seine Erklärung.

„Wow, ich habe nicht alles verstanden, weil du so komplizierte Wolter wie Konsumismus und ahh... Ökonomie verwendet hast, aber eine Sache wurde mir klar: Wir nehmen so viele...wie nennt man die...ah...Ressourcen! Aber man muss der Erde auch etwas zurückgeben. Weil alle diese Ressourcen nicht uns, den Menschen gehören, sondern der Erde und man muss für sie dankbar sein.", behauptete Noah.

„Tja, hätten die Leute das früher mitgekriegt, so könnten mehrere Katastrophen vermieden werden. Was du gerade gesagt hast, zeigt dass, die Menschen grundsätzlich gut sind, dass nur die Welt und Gesellschaft ihre geistige Reinheit raubt.", schlussfolgert der weise Mann die Diskussion und äußert seine Weltanschauung der neuen Generation.

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